Spielerschutz und OASIS: Verantwortungsvolles Wetten bei Bundesliga-Sportwetten

4,6 Millionen Erwachsene in Deutschland zeigen problematisches Spielverhalten oder sind von Spielsucht betroffen. Diese Zahl hat mich erschüttert, als ich sie zum ersten Mal las. Sie zeigt, dass Sportwetten – bei aller Faszination für Bundesliga-Analyse – reale Risiken bergen. In neun Jahren im Geschäft habe ich Freunde verloren, die diese Risiken unterschätzt haben. Dieser Artikel ist ihnen gewidmet.
Die gute Nachricht: Deutschland hat mit dem OASIS-Spielersperrsystem und der GGL-Regulierung Werkzeuge geschaffen, die wirken. Die Zahlen belegen es – und sie zeigen auch, dass diese Werkzeuge genutzt werden. Spielerschutz ist kein Lippenbekenntnis mehr, sondern funktionierendes System.
Ich werde hier über das OASIS-System sprechen, über Warnsignale für problematisches Spielverhalten und über praktische Schritte, die jeder Wetter kennen sollte. Mein Ziel ist nicht, dir das Wetten auszureden – sondern sicherzustellen, dass du es kontrolliert und informiert tust. Denn am Ende ist verantwortungsvolles Wetten die Voraussetzung für langfristigen Erfolg.
Das OASIS-Sperrsystem: Wie es funktioniert
OASIS steht für Onlineabfrage Spielerstatus und ist das zentrale Spielersperrsystem in Deutschland. Es wird vom Regierungspräsidium Darmstadt betrieben und verbindet alle GGL-lizenzierten Anbieter. Anfang 2026 verzeichnet das System etwa 367.000 aktive Spielersperren – eine Verdreifachung gegenüber Januar 2022.
Die Funktionsweise ist simpel: Wer sich sperren lässt, wird in die OASIS-Datenbank eingetragen. Bei jedem Anmeldeversuch bei einem lizenzierten Anbieter wird diese Datenbank abgefragt. Ist der Spieler gesperrt, wird der Zugang verweigert – bei allen Anbietern gleichzeitig, nicht nur bei einem.
Die Abfragezahlen sind beeindruckend: Im Jahr 2025 wurden über 5,2 Milliarden Abfragen beim OASIS-System durchgeführt – im Schnitt 432 Millionen pro Monat. Das zeigt, wie konsequent die Anbieter das System nutzen. Die Infrastruktur ist robust und funktioniert zuverlässig.
Das Regierungspräsidium Darmstadt fasst zusammen: „Die Zahlen zeigen: Das etablierte Spielersperrsystem wird weiterhin intensiv genutzt und gut angenommen.“ Diese Aussage wird durch die kontinuierlich steigenden Sperrzahlen gestützt – das System erreicht Menschen, die Hilfe suchen.
An OASIS sind über 9.000 Veranstalter mit rund 41.000 Betriebsstätten angeschlossen. Das umfasst nicht nur Online-Sportwettenanbieter, sondern auch Spielhallen, Casinos und andere Glücksspielangebote. Eine OASIS-Sperre wirkt also breit – sie schützt nicht nur vor Online-Wetten, sondern vor allen regulierten Glücksspielformen.
Die technische Integration ist für Anbieter Pflicht. Wer eine GGL-Lizenz hält, muss vor jeder Spielteilnahme den OASIS-Status prüfen. Verstöße können zur Lizenzentziehung führen. Diese strikte Durchsetzung macht das System wirksam – es gibt keine Hintertüren bei seriösen Anbietern.
Die Entwicklung von OASIS zeigt, wie ernst Deutschland den Spielerschutz nimmt. Was 2021 als neue Infrastruktur startete, ist heute ein etabliertes System mit nachweisbarer Wirkung. Die Verdreifachung der Sperrzahlen in vier Jahren ist kein Zeichen für mehr Spielsucht – sondern für bessere Erreichbarkeit von Hilfe.
Ein oft übersehener Aspekt: OASIS schützt auch vor spontanen Fehlentscheidungen. Wer sich in einem klaren Moment sperrt, ist auch in schwachen Momenten geschützt. Die Sperre funktioniert, auch wenn du sie gerade bereust. Genau das ist der Punkt – sie schützt dich vor dir selbst.
Selbstsperre beantragen: Schritt für Schritt
Eine Selbstsperre bei OASIS zu beantragen ist einfacher, als viele denken. Der Prozess wurde bewusst niedrigschwellig gestaltet, um Hürden zu minimieren. Du brauchst keine Begründung, keine ärztliche Bestätigung, keine Wartezeit.
Der direkte Weg führt über das Online-Portal des Regierungspräsidiums Darmstadt. Dort findest du ein Formular, das du ausfüllen kannst. Du benötigst deinen Personalausweis zur Identifikation – das verhindert Missbrauch durch Dritte.
Alternativ kannst du die Selbstsperre bei jedem lizenzierten Anbieter beantragen. Diese sind verpflichtet, deinen Wunsch an OASIS weiterzuleiten. Der Vorteil dieses Weges: Du kannst direkt dort sperren, wo du aktiv bist, ohne zusätzliche Registrierungen.
Die Aktivierung erfolgt sofort oder innerhalb weniger Stunden. Im August 2025 wurden bundesweit 44.080 Kurzzeitsperren von 24 Stunden verzeichnet – ein Zeichen dafür, dass auch schnelle Hilfe möglich ist, wenn du merkst, dass du eine Pause brauchst.
96% der OASIS-Sperren sind Selbstsperren, nur 4% sind Fremdsperren. Das zeigt: Die meisten Menschen, die sich sperren lassen, tun es freiwillig und aus eigener Erkenntnis. Die Hürde ist niedrig genug, dass der Schritt aus eigener Motivation gelingt.
Die Mindestdauer einer Selbstsperre beträgt ein Jahr. Das klingt lang, hat aber einen Sinn: Es verhindert, dass du dich in einem schwachen Moment entsperrst und weiterspielst. Die Sperre schützt dich auch vor dir selbst – besonders in den Momenten, in denen du sie bereust.
Der Prozess ist datenschutzkonform gestaltet. Deine Daten werden nur für den Zweck der Sperre verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Die OASIS-Datenbank ist gegen unbefugten Zugriff geschützt. Du musst dir keine Sorgen machen, dass dein Arbeitgeber oder andere davon erfahren.
Warnsignale für problematisches Spielverhalten
2,4% der deutschen Bevölkerung zwischen 18 und 70 Jahren erfüllen die Kriterien für eine Glücksspielstörung nach DSM-5 – das sind etwa 1,38 Millionen Menschen. Die Dunkelziffer liegt höher. Viele erkennen die Warnsignale nicht oder ignorieren sie.
Das erste Warnsignal: Du spielst mit Geld, das du für andere Zwecke brauchst. Die Miete, die Rechnung, das Geburtstagsgeschenk – wenn du solches Geld für Wetten verwendest, hast du die Grenze überschritten. Eine Bankroll sollte immer aus Überschuss bestehen, nie aus Notwendigem.
Das zweite Warnsignal: Du jagst Verlusten hinterher. Eine verlorene Wette führt zur nächsten, die den Verlust ausgleichen soll. Dieses Muster ist toxisch – statistisch gesehen verstärkt es nur die Verluste. Wenn du dich dabei erwischst, ist es Zeit für eine Pause.
Das dritte Warnsignal: Du verheimlichst dein Spielverhalten. Wenn Partner, Familie oder Freunde nicht wissen dürfen, wie viel du wettest, gibt es einen Grund dafür. Heimlichkeit ist ein starker Indikator für Kontrollverlust.
Das vierte Warnsignal: Sportwetten dominieren deine Gedanken. Wenn du während der Arbeit an Quoten denkst, wenn du beim Essen an den nächsten Spieltag denkst, wenn du nachts wachliegst wegen einer verlorenen Wette – dann ist das Verhältnis gestört.
Bei Live-Sportwetten sind 31,8% der Spieler von einer glücksspielbezogenen Störung betroffen – der zweithöchste Wert nach virtuellen Automatenspielen. Die Schnelligkeit und Unmittelbarkeit von Live-Wetten verstärken problematisches Verhalten. Wenn du hauptsächlich live wettest, solltest du besonders aufmerksam sein.
Das fünfte Warnsignal: Du brauchst immer höhere Einsätze, um denselben Kick zu spüren. Diese Toleranzentwicklung ist ein klassisches Suchtmerkmal. Was früher mit 10 Euro aufregend war, erfordert jetzt 100 Euro. Dieser Eskalationszyklus hat keine natürliche Obergrenze.
Das sechste Warnsignal: Entzugserscheinungen. Wenn du ohne Wetten unruhig, gereizt oder deprimiert wirst, zeigt dein Körper Abhängigkeit. Gesundes Wetten sollte aufhören können, ohne dass du dich schlecht fühlst. Wenn das nicht geht, ist es mehr als ein Hobby.
Das siebte Warnsignal: Soziale Konsequenzen. Wenn Beziehungen, Freundschaften oder deine Arbeit unter dem Wetten leiden, hast du die Prioritäten verschoben. Ein Hobby, das dein Leben zerstört, ist kein Hobby mehr.
Selbsttest: Ist mein Spielverhalten riskant?
Ein ehrlicher Selbsttest kann helfen, die eigene Situation einzuschätzen. Die folgenden Fragen stammen aus etablierten Screening-Instrumenten für Glücksspielstörungen.
Hast du jemals mehr Zeit oder Geld mit Wetten verbracht, als du ursprünglich wolltest? Hast du versucht, weniger zu spielen oder aufzuhören, und es nicht geschafft? Fühlst du dich unruhig oder gereizt, wenn du versuchst, weniger zu spielen?
Hast du gewettet, um Problemen zu entkommen oder um deine Stimmung zu verbessern? Hast du nach einer verlorenen Wette oft am nächsten Tag weitergespielt, um den Verlust zurückzugewinnen? Hast du gelogen, um das Ausmaß deines Spielens zu verbergen?
Wenn du mehrere dieser Fragen mit Ja beantwortest, solltest du professionelle Beratung in Betracht ziehen. Das ist keine Schwäche – es ist verantwortungsvolles Handeln. Die Beratungsangebote sind kostenlos und anonym.
Die Ehrlichkeit bei diesem Selbsttest ist entscheidend. Es geht nicht darum, Fragen „richtig“ zu beantworten, sondern die Wahrheit zu erkennen. Viele Betroffene minimieren ihr Verhalten unbewusst – sie vergleichen sich mit Extremfällen und fühlen sich deshalb sicher. Aber problematisches Spielverhalten ist ein Spektrum, keine Schwarz-Weiß-Kategorie.
Ein einzelner positiver Test bedeutet nicht automatisch Sucht. Aber er sollte Anlass sein, genauer hinzuschauen. Wiederhole den Test in einigen Wochen. Wenn sich das Muster bestätigt oder verschlechtert, ist Handeln angezeigt.
Ich empfehle, den Test regelmäßig durchzuführen – etwa alle drei Monate. Spielverhalten kann sich schleichend verändern. Was vor einem Jahr unproblematisch war, kann heute anders aussehen. Kontinuierliche Selbstreflexion ist der beste Schutz.
Einzahlungs- und Verlustlimits richtig nutzen
Alle GGL-lizenzierten Anbieter müssen Limit-Systeme anbieten. Diese ermöglichen es dir, Einzahlungs-, Verlust- und Zeitlimits festzulegen. Ich empfehle jedem Wetter, diese Limits aktiv zu nutzen – auch wenn du kein problematisches Spielverhalten zeigst.
Das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat ist gesetzlich vorgeschrieben. Innerhalb dieses Rahmens kannst du aber engere Limits setzen. Ich persönlich halte mein Limit deutlich unter dem Maximum – das zwingt mich zu Disziplin.
Verlustlimits sind noch wichtiger als Einzahlungslimits. Sie definieren, wie viel du maximal verlieren darfst, bevor das System dich stoppt. Ein Verlustlimit schützt dich in Phasen, in denen dein Urteilsvermögen getrübt ist – nach einer Pechsträhne, nach einem frustrierenden Tag.
Das Setzen von Limits ist einfach, das Erhöhen bewusst erschwert. Wenn du dein Limit senken willst, wird die Änderung sofort wirksam. Wenn du es erhöhen willst, greift eine Wartezeit von 24 bis 72 Stunden. Diese Asymmetrie ist beabsichtigt – sie verhindert impulsive Erhöhungen in emotional aufgeladenen Momenten.
Mein Rat: Setze deine Limits zu Beginn eines Monats, wenn du einen klaren Kopf hast. Überprüfe sie am Monatsende und passe sie für den nächsten Monat an. Dieser Rhythmus verhindert, dass du Limits im Eifer des Gefechts änderst.
Die Limits funktionieren nur, wenn du ehrlich zu dir selbst bist. Wer sich bei jedem Anbieter das Maximum setzt, hat effektiv kein Limit. Der Sinn ist nicht, die Regulierung formal zu erfüllen, sondern dich wirklich zu schützen.
Ein praktischer Tipp: Setze dein Einzahlungslimit unterhalb dessen, was du dir leisten kannst. So hast du Puffer für unerwartete Ausgaben im Leben, ohne dass du in Versuchung kommst, Geld umzuschichten. Das Limit sollte bequem unterschreitbar sein, nicht gerade so erreichbar.
Die psychologische Wirkung von Limits sollte nicht unterschätzt werden. Allein das Wissen, dass ein Limit existiert, verändert dein Verhalten. Du denkst zweimal nach, bevor du eine große Wette platzierst. Dieses Innehalten ist wertvoll – auch wenn du das Limit nie erreichst.
Zeitlimits und Cooling-Off-Perioden
Neben finanziellen Limits bieten viele Anbieter Zeitlimits an. Du kannst definieren, wie viele Stunden pro Tag oder Woche du maximal spielen willst. Diese Limits werden technisch durchgesetzt – nach Ablauf der Zeit wirst du automatisch ausgeloggt.
Cooling-Off-Perioden sind kurze Selbstsperren, typischerweise 24 Stunden bis eine Woche. Sie eignen sich für Situationen, in denen du merkst, dass du eine Pause brauchst, aber keine dauerhafte Sperre willst. Die 44.080 Kurzzeitsperren im August 2025 zeigen, dass dieses Werkzeug aktiv genutzt wird.
Ich nutze Cooling-Off-Perioden nach größeren Verlusten. Nicht weil ich süchtig bin, sondern weil ich weiß, dass mein Urteilsvermögen nach Frustration leidet. Die Pause gibt mir Zeit, die Situation zu analysieren, statt impulsiv zu reagieren.
Die Kombination aus Zeit- und Geldlimits ist besonders wirkungsvoll. Du schützt dich auf zwei Ebenen: vor zu hohen Verlusten und vor zu langen Sessions. Beide Faktoren – Geld und Zeit – können unabhängig voneinander problematisch werden.
Ein praktischer Tipp: Setze dein Zeitlimit konservativ. Wenn du denkst, dass zwei Stunden am Spieltag angemessen sind, setze anderthalb. Der Puffer gibt dir Raum für unerwartete Overtime, ohne dass du in Versuchung gerätst, das Limit zu erhöhen.
Glücksspielstörungen in Deutschland: Die Fakten
Die Zahlen zur Glücksspielsucht in Deutschland sind ernüchternd. 4,6 Millionen Erwachsene zeigen problematisches Spielverhalten. 2,4% der Bevölkerung erfüllen die klinischen Kriterien für eine Störung. 33% der problematischen Spieler setzen auf Sportereignisse.
Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Burkhard Blienert, brachte es auf den Punkt: „Die hohe Zahl an Spielersperren spricht Bände. Es zeigt, wie sehr Spielsucht sowohl den Betroffenen selbst als auch ihrem Umfeld an die Substanz geht.“
Die Geschlechterverteilung ist ungleich. Männer nehmen dreimal so häufig an Sportwetten teil wie Frauen – 8% gegenüber 2%. Bei problematischem Spielverhalten ist die Diskrepanz noch größer. Das bedeutet: Als männlicher Sportwetter gehörst du zur statistisch gefährdeteren Gruppe.
Das Durchschnittsalter der Betroffenen sinkt. Junge Erwachsene zwischen 18 und 25 sind überproportional vertreten – die erste Generation, die mit legalen Online-Sportwetten aufgewachsen ist. Die ständige Verfügbarkeit über Smartphone-Apps verstärkt das Risiko.
Die wirtschaftlichen Folgen von Spielsucht sind verheerend. Schulden, Jobverlust, Beziehungsbrüche – die Spirale ist bekannt und dokumentiert. Früherkennung und Intervention können diese Folgen verhindern. Deshalb ist Aufklärung so wichtig.
Die Dunkelziffer ist hoch. Viele Betroffene gestehen sich ihr Problem nicht ein oder suchen keine Hilfe. Die offiziellen Zahlen unterschätzen das wahre Ausmaß. Umso wichtiger ist es, die Warnsignale zu kennen – bei sich selbst und bei anderen.
Die gute Nachricht: Die Behandlungserfolge sind ermutigend. Wer professionelle Hilfe annimmt, hat gute Chancen auf dauerhafte Besserung. Glücksspielsucht ist kein Schicksal, sondern eine behandelbare Störung. Der Schlüssel liegt in der Früherkennung.
Die gesellschaftlichen Kosten von Spielsucht gehen in die Milliarden. Sozialleistungen, Gesundheitskosten, verlorene Produktivität – die Rechnung zahlen wir alle. Prävention und Regulierung sind nicht nur individuell wichtig, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll.
Hilfsangebote: Wo du Unterstützung findest
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) betreibt eine kostenlose Hotline für Glücksspielfragen: 0800 1 37 27 00. Die Beratung ist anonym und rund um die Uhr erreichbar. Ein Anruf kostet nichts außer Überwindung.
Online-Beratungen bieten eine Alternative für alle, die nicht telefonieren wollen. Mehrere seriöse Anbieter ermöglichen Chat- oder E-Mail-Beratung. Die Anonymität ist gewährleistet, die Berater sind geschult.
Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Spieler (GA) gibt es in den meisten deutschen Städten. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen – du bist nicht allein mit diesem Problem, auch wenn es sich so anfühlt.
Professionelle Therapie ist für schwere Fälle oft unumgänglich. Die Kosten werden von Krankenkassen übernommen. Spezialisierte Kliniken und ambulante Therapeuten haben Erfahrung mit Glücksspielsucht – sie wissen, was funktioniert.
Der erste Schritt ist immer der schwierigste. Aber die Erfahrung zeigt: Die meisten Menschen, die Hilfe suchen, finden sie auch. Die Erfolgsquoten bei professioneller Behandlung sind ermutigend. Glücksspielsucht ist behandelbar – aber nur, wenn du Hilfe annimmst.
Viele Betroffene schämen sich und zögern deshalb, Hilfe zu suchen. Diese Scham ist verständlich, aber kontraproduktiv. Die Berater bei der BZgA oder in Selbsthilfegruppen urteilen nicht – sie helfen. Du bist nicht der erste mit diesem Problem und wirst nicht der letzte sein.
Die Wartezeiten für ambulante Therapie können lang sein. In der Zwischenzeit bieten Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen Überbrückung. Nutze diese Zeit aktiv – jeder Tag ohne Eskalation ist ein Gewinn.
Unterstützung für Angehörige
Glücksspielsucht betrifft nicht nur die Spieler selbst. Partner, Eltern, Kinder leiden mit – oft im Verborgenen. Die Hilflosigkeit, dem Verfall eines geliebten Menschen zuzusehen, ist belastend.
Angehörigenberatung ist genauso wichtig wie Spielerberatung. Die BZgA-Hotline ist auch für Angehörige da. Spezielle Angehörigengruppen bieten Austausch und Unterstützung. Du musst das nicht alleine durchstehen.
Grenzen setzen ist wichtig und erlaubt. Du bist nicht verantwortlich für das Spielverhalten anderer. Du kannst unterstützen, aber nicht retten. Diese Erkenntnis ist oft der erste Schritt zur Besserung – für alle Beteiligten.
Co-Abhängigkeit ist ein reales Risiko. Wenn du ständig die Konsequenzen des Spielverhaltens eines anderen abfederst – Schulden bezahlst, Ausreden erfindest, Geheimnisse bewahrst – ermöglichst du ungewollt die Fortsetzung. Professionelle Beratung kann helfen, aus diesem Muster auszubrechen.
Finanzielle Absicherung ist ein praktischer Schritt. Wenn du mit einem spielsüchtigen Partner zusammenlebst, schütze gemeinsame Konten und Vermögenswerte. Das ist kein Vertrauensbruch – es ist Selbstschutz. Die Alternative kann existenzbedrohend sein.
Kinder von spielsüchtigen Eltern tragen oft unsichtbare Lasten. Sie lernen früh, Geheimnisse zu bewahren und Verantwortung zu übernehmen, die nicht altersgerecht ist. Professionelle Unterstützung kann langfristige Schäden verhindern.
Der wichtigste Rat für Angehörige: Nimm Hilfe an, bevor du selbst zusammenbrichst. Du kannst nur unterstützen, wenn du selbst stabil bist. Eigencare ist nicht egoistisch – es ist notwendig.
Prävention: Gesunde Wettgewohnheiten entwickeln
Prävention beginnt, bevor ein Problem entsteht. Gesunde Wettgewohnheiten von Anfang an zu entwickeln, ist einfacher als schlechte Gewohnheiten später zu korrigieren. Hier sind die Grundsätze, die ich jedem neuen Wetter mitgeben würde.
Definiere ein Budget, bevor du startest. Die Bankroll sollte Geld sein, das du dir leisten kannst zu verlieren – nicht mehr. Sobald sie aufgebraucht ist, ist Schluss. Kein Nachschießen, keine Ausnahmen.
Setze Zeitlimits, nicht nur Geldlimits. Sportwetten sollten ein Hobby bleiben, nicht zum Vollzeitjob werden. Wenn du mehr Zeit mit Wetten verbringst als mit Freunden, Familie oder anderen Hobbys, stimmt das Verhältnis nicht.
Führe ein Wetttagebuch. Dokumentiere jede Wette, jeden Gewinn, jeden Verlust. Die Ehrlichkeit dir selbst gegenüber ist der beste Schutz vor Selbsttäuschung. Zahlen lügen nicht – Gefühle manchmal schon.
Wette nie unter Alkoholeinfluss. Alkohol senkt die Hemmschwelle und vernebelt das Urteil. Was nach drei Bier wie eine sichere Wette aussieht, ist nüchtern betrachtet oft Unsinn. Trenne Feiern und Wetten strikt.
Suche dir einen Wettkumpel, der dich ehrlich kritisiert. Jemand, der dir sagt, wenn du über die Stränge schlägst. Externe Kontrolle ergänzt die Selbstkontrolle – besonders in schwachen Momenten.
Lerne, Verluste zu akzeptieren. Verlieren gehört zum Wetten. Wer das nicht emotional verarbeiten kann, ohne zu eskalieren, sollte nicht wetten. Die Fähigkeit, nach einem Verlust aufzuhören, unterscheidet kontrollierte von problematischen Spielern.
Trenne Wetten von deiner Identität. Du bist kein besserer oder schlechterer Mensch, je nachdem ob du gewinnst oder verlierst. Wenn dein Selbstwert von Wettergebnissen abhängt, hast du ein Problem, das über Geld hinausgeht.
Für weiterführende Informationen zur GGL-Regulierung und legalen Anbietern empfehle ich meinen separaten Artikel. Legales Spielen bei regulierten Anbietern ist der erste Schritt zu verantwortungsvollem Wetten.
Häufig gestellte Fragen
Wie beantrage ich eine OASIS-Spielersperre?
Du kannst eine Selbstsperre direkt über das Online-Portal des Regierungspräsidiums Darmstadt beantragen oder bei jedem GGL-lizenzierten Anbieter. Du benötigst deinen Personalausweis zur Identifikation. Die Aktivierung erfolgt sofort oder innerhalb weniger Stunden. Eine Begründung oder ärztliche Bestätigung ist nicht erforderlich.
Welche Einzahlungslimits gelten bei GGL-lizenzierten Anbietern?
Das gesetzliche Maximum liegt bei 1.000 Euro pro Monat – anbieterübergreifend. Das bedeutet: Wenn du bei Anbieter A 600 Euro einzahlst, kannst du bei Anbieter B nur noch 400 Euro einzahlen. Innerhalb dieses Rahmens kannst du engere persönliche Limits setzen, die sofort wirksam werden. Limit-Erhöhungen haben eine Wartezeit von 24-72 Stunden.
Kann ich eine Spielersperre vorzeitig aufheben lassen?
Selbstsperren haben eine Mindestdauer von einem Jahr. Vor Ablauf dieser Frist ist eine Aufhebung nicht möglich – das schützt dich vor impulsiven Entscheidungen. Nach Ablauf der Mindestdauer kannst du eine Aufhebung beantragen, die aber nicht automatisch erfolgt. Eine Cooling-Off-Periode von 24 Stunden bis einer Woche kann hingegen nach Ablauf automatisch enden.
An wen kann ich mich bei Spielsuchtproblemen wenden?
Die BZgA-Hotline 0800 1 37 27 00 ist kostenlos, anonym und rund um die Uhr erreichbar. Online-Beratungen bieten Chat- und E-Mail-Alternativen. Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Spieler gibt es in den meisten Städten. Für schwere Fälle übernehmen Krankenkassen die Kosten für professionelle Therapie bei spezialisierten Therapeuten oder in Kliniken.
Erstellt von der Redaktion von „Fußball Bundesliga Sportwetten”.
